Nach der Ernte ist vor der Saat

07. August 2020
Die Ernte ist für einige Kulturen abgeschlossen und nähert sich für andere mit grossen Schritten. Dies ist auch ein guter Moment, die Böden auf die nächste Anbausaison vorzubereiten. Dazu gehört die Bodenbeprobung, der Anbau von Zwischenfrüchten oder Kalkgaben in den entsprechenden Situationen.

Eine Bodenprobe ist aus strategischer Sicht in einem Intervall von 5-6 Jahren vorzusehen, um eine Entwicklung der Bodenparameter im Auge zu behalten. Dazu gehören der pH-Wert, die Nährstoffversorgung oder der Humusgehalt. Um die entsprechenden Schlüsse aus den Analyseresultaten zu ziehen und Massnahmen wie eine Kalkung zu planen oder die Grunddüngung anzupassen, ist der Zeitpunkt in der Fruchtfolge wichtig. Kulturen wie Raps, Zuckerrüben und Gerste reagieren sensibel auf einen tiefen pH-Wert. Je nach Bodenart ist ein pH-Wert zwischen 6.7 und 7.3 erstrebenswert. Wenn im nächsten Jahr eine dieser Kulturen angebaut werden soll und sich der pH-Wert auf einem tiefen Niveau befindet, ist eine Kalkung zum aktuellen Zeitpunkt ins Auge zu fassen. Werden Kalkgaben zu kurzfristig oder in zu grossen Mengen durchgeführt, können diese zu einer zwischenzeitlichen Immobilisierung von Nährelementen wie Phosphor und einigen Mikronährstoffen führen. 

 

© Grangeneuve

Je nach pH-Wert, Bodenart und Nutzung werden Kalkmengen, welche 10-20dt/ha CaO-Äquivalenten entsprechen, empfohlen. Sind grössere Kalkmengen notwendig, um den pH-Wert zu korrigieren, sollten diese auf mehrere Gaben aufgeteilt werden. Eine Bodenanalyse wird im Idealfall auch dazu genutzt, die Düngung zu optimieren. Je nach Reserven des Bodens wird die Grunddüngung mit Phosphor, Kalium und Magnesium anhand des Korrekturfaktors angepasst.

Neben den Bodenreserven kann auch das Nährstoffaneignungsvermögen der Kulturen berücksichtigt werden, um die gesamtbetriebliche Düngungsstrategie zu optimieren. Bei ausreichender Nährstoffversorgung (Versorgungsklasse C) kann bei Kulturen mit gutem Nährstoffaneignungsvermögen wie Wintergetreide auf eine Grunddüngung verzichtet werden. Dabei sind die Aktualität der Bodenanalyse und die Düngungspraxis der Vorjahre wichtige, zu berücksichtigende Faktoren. Andere Kulturen wie die Kartoffeln sind aufgrund ihres generell eher flachen Wurzelwerks auf die Grunddüngung angewiesen. Werden Bodenreserven und das Nährstoffaneignungsvermögen berücksichtigt, können die Mengen optimiert und Überfahrten gespart werden. Weiter kann bei der Düngung über die Fruchtfolge vermehrt auf Einzelnährstoffdünger gesetzt werden, welche in den meisten Fällen je Nährstoffeinheit billiger sind.

Auch der Humusgehalt ist aufgrund verschiedener Aspekte wichtig für die Pflanzenernährung. Zusammen mit dem Ton (Ton-Humus-Komplex) erhöht er das Nährstoffspeichervermögen des Bodens. Weiter führen diese Verbindungen zu einer verbesserten Bodenstruktur, was den Wasser- und Lufthaushalt verbessert sowie das Verschlämmungs- und Erosionsrisiko mindert. Nicht zuletzt kann der Humus selbst als Nährstoffdepot dienen. Bei dessen Mineralisierung werden Nährstoffe für die Pflanzen verfügbar. Gerade in der Stickstoffnachlieferung kann er eine wichtige Rolle spielen. Mit steigender Bodentemperatur und Feuchtigkeit, nimmt auch die Mineralisierung zu, welche im Juli-August in der Regel den Höhepunkt erreicht. Gerade Mais kann den Stickstoff aus der Mineralisierung sehr gut verwerten, da der Bedarf relativ synchron verläuft, wodurch in einigen Situationen zusätzliche N-Gaben eingespart werden können.

 

Weiterführende Dokumentationen zur Kalkung finden Sie hier. Um den Bodenanalysen einen technischen und wirtschaftlichen Nutzen zu geben, ist die parzellenspezifische Düngungsplanung ein geeignetes Instrument. Wenn Sie daran interessiert sind oder technische Fragen haben, dürfen Sie uns gerne für eine weiterführende Beratung unter 026 305 58 00 kontaktieren.

Denis Morand & Joël Grossrieder