Das Carrot red leaf virus tritt in der Schweiz an Karotten auf

Das Carrot red leaf virus (CtRLV) kann an Karotten zu einer Rot- und Gelbverfärbung des Laubes führen, welche an den älteren Blättern beginnt. Teilweise sind die Blattstiele verdreht. Die jüngsten Fiederblättchen können einen gestauchten Wuchs bis hin zu Starrtracht aufweisen. Laub- und Wurzelwachstum können soweit beeinträchtigt sein, dass die Rübe bis zur Erntereife höchstens dreiviertel der sortentypischen Länge erreicht.
Wirtschaftliche Bedeutung und Wirtspflanzen

In einigen Ländern Europas zählt das CtRLV zu den wirtschaftlich bedeutendsten Viren im Karottenanbau. In der Schweiz wurde CtRLV-Befall an Karotten 2016 erstmals von Agroscope nachgewiesen. In einzelnen Karottenfeldern führte der CtRLV-Befall zu Ertragseinbussen von 50-100%. Vom CtRLV werden aus-schliesslich Doldenblütler befallen. Nachgewiesen wurde es neben Karotten beispielsweise auch in Petersilie, Dill, Kerbel, Koriander und an Wildkräutern der Doldenblütler. Physiologische Störungen, Befall mit anderen Viren oder mit dem Bakterium Candidatus Liberibacter solanacearum können zu ähnlichen Symptomen und damit zu einer Verwechslung führen.

© Agroscope

Gierschblattläuse als Überträger des CtRLV

An den vom CtRLV-Befall betroffenen Karottenpartien in der Schweiz wurden Gierschblattläuse (Cavariella aegopodii) gefunden. Sie gelten als Überträger (Vektoren) des CtRLV, welches sie über einen längeren Zeitraum übertragen können.

Gierschblattläuse können auf Weidenbäumen, ihrem Winterwirt, vorkommen. Von dort aus fliegen sie im Laufe des Sommerhalbjahres in die Karottenbestände und weitere Doldenblütlerkulturen ein.

In Gemüsebaubetrieben mit Kräuteranbau sind die Gierschblattläuse häufig ganzjährig präsent, da sie an Petersilie überwintern können. In den letzten Jahren wurde jeweils im April eine deutliche Zunahme des Gierschblattlaus-Besatzes an Petersilienpflanzen festgestellt. Doldenblütler-Kulturen im Freiland wurden von dieser Blattlausart verstärkt zwischen Mitte Mai und Anfang Juni besiedelt. Im Verlaufe des Sommers ist mit weiteren Neubesiedlungen und Befallswellen zu rechnen.

Ob das CtRLV von infizierten Petersilienbeständen auf Karotten übertragen werden könnte oder umgekehrt, ist noch nicht eindeutig geklärt. Einzelne Isolate des Virus sollen sich durch die Spezialisierung auf bestimmte Wirte unterscheiden.

Das CtRLV wird nicht mit dem Saatgut übertragen. Hinsichtlich der Anfälligkeit gegenüber dem Virus soll es bei den Karottensorten Unterschiede geben.

Empfehlungen und weiteres Vorgehen
  • In gefährdeten Gebieten, mit CtRLV-Befall an Karotten im Vorjahr, sollte der Blattlauseinflug in die Karottenbestände kontinuierlich ab Mitte Mai mit Pflanzenkontrollen überwacht werden.
  • Zu Befallsbeginn mit Gierschblattläusen an Karotten wird in Gebieten mit CtRLV-Befall im Vorjahr eine gezielte Behandlung empfohlen, um die mögliche Virusübertragung einzudämmen.
  • Wachstumsdepressionen von jungen Karottenpflanzen ist möglichst auf den Grund zu gehen. Treten sie im Juni oder Juli auf, müssen sie nicht zwingend auf Blattlausbefall zurückgehen, sondern können auch durch den Möhrenblattfloh (Trioza apicalis) verursacht sein.
  • Informationen zur aktuellen Entwicklung beider Schädlinge werden im Saisonverlauf wie gewohnt in der Gemüsebau Info veröffentlicht.

Bei Verdacht wenden Sie sich an die Fachstellen Pflanzenschutz der Kantone Bern und Freiburg oder den Beratungsring Gemüse.

Kantonaler Pflanzenschutzdienst