Biokohle, ein magisches Pulver für meinen Betrieb ?

Biokohle - oder auch Pflanzenkohle - ist ein sehr aktuelles Thema, das derzeit im Mittelpunkt steht, wenn es um die CO2-Fixierung geht. Vorteile werden auch für die Bodenfruchtbarkeit erwartet, jedoch ist diesbezüglich noch Vorsicht geboten.

Die Idee ist nicht neu und geht auf die Entdeckung anthropogener Böden im Amazonasgebiet zurück, die «Terra preta dos Indios» genannt werden. Sie sind sehr produktiv und haben einen mit stabiler organischer Substanz angereicherten Horizont. Es besteht durchaus ein agronomisches Interesse an der Einarbeitung pyrolysierter organischer Substanz in Böden, die arm an organischer Substanz sind und deren Ton ausgewaschen ist. Solche Bedingungen sind in tropischen Böden oft anzutreffen. Die Einarbeitung von Pflanzenkohle trägt zu einem spektakulären Anstieg der Kationenaustauschkapazität (KAK) bei. Solche Auswirkungen auf Böden in gemässigten Zonen müssen jedoch noch nachgewiesen werden. 

Viele Unternehmen bieten heute Pflanzenkohle oder auf Pflanzenkohle basierende Produkte an. Diese Produkte sind nicht alle von der gleichen Qualität, wobei diese von den verwendeten Grundstoffen, der Temperatur und der Pyrolysezeit sowie von den möglichen Zusatzstoffen (Düngemittel, Aminosäuren, wirksame Mikroorganismen usw.) abhängt. 

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Unter den Eigenschaften der Pflanzenkohle wird häufig ein hohes Rückhaltevermögen von Kationen (K+, Ca2+, Mg2+, NH4+) und Anionen (NO3-, PO43-) angeführt. Eine hohe Porosität, die mit einem hohen Wasserrückhaltevermögen verbunden ist, wird ebenfalls hervorgehoben. Nicht zuletzt würde die Einarbeitung der Pflanzenkohle die Speicherung von stabilem Kohlenstoff in landwirtschaftlichen Böden ermöglichen. In der wissenschaftlichen Literatur wurden auch negative Auswirkungen beobachtet, insbesondere auf die Nährstoffverfügbarkeit aufgrund des hohen Rückhaltevermögens dieses Materials sowie eine Akkumulation von Schadstoffen (Pestizide, Kohlenwasserstoffe, Schwermetalle).

Auch muss die Frage nach der Dosierung der Produkte gestellt werden. Die Verkäufer bieten eine Reihe von Verwendungsmöglichkeiten an, von Futterzusätzen für Schweine über die Ausbringung in der Einstreu bis hin zum Zusatzstoff im Mist. In der wissenschaftlichen Literatur sind zu diesem Thema im schweizerischen Kontext noch wenig Daten verfügbar.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es notwendig ist, bei der Anwendung und den versprochenen Effekten von Pflanzenkohle vorsichtig zu bleiben. In Anbetracht des hohen Preises (ca. 1 CHF/kg) und der hohen Verabreichungsempfehlungen (ca. 10 t/ha) wird Interessenten daher empfohlen, mit kleinflächigen Versuchen zu beginnen. Die mit Spannung erwartete Forschung des Forschungsinstituts für biologischen Landbau FiBL befasst sich derzeit mit dem Wachstum von Maispflanzen, Bakteriengemeinschaften und der Zersetzung von Pflanzenkohle nach der Anwendung des Produkts. Die Thematik wird weiterverfolgt.

Clément Levasseur & Joël Grossrieder, Wissenschaftliche Mitarbeiter