Sind Sie startklar für einen fachgerechten Tiertransport?

Als Landwirt/in werden Sie regelmässig mit dem Tiertransport konfrontiert. Die zahlreichen Regelungen diesbezüglich müssen streng eingehalten werden. Gesetzeskonforme Tiertransporte steigern sowohl das Tierwohl, als auch die Verkehrssicherheit und können so zu einem guten Image der Landwirtschaft beitragen.

Privater oder gewerbsmässiger Tiertransport

Zunächst muss klar sein, ob Sie privat oder gewerbsmässig Tiere transportieren, denn es gilt die entsprechenden Vorschriften zu befolgen. Wenn Sie eigene Tiere oder Tiere von Dritten ohne Entgelt transportieren, handelt es sich um einen privaten Transport. Der gewerbsmässige Transport wiederum wurde in der Tierschutzverordnung wie folgt definiert: Unternehmen oder Privatpersonen, welche Tiere von Dritten transportieren, um ein Einkommen zu generieren oder Unkosten zu decken, tun dies gewerbsmässig. Die Gegenleistung muss dabei nicht in Form von Geld erfolgen. Ein Beispiel für die Gewerbsmässigkeit ist der Transport von Schweinen anderer Landwirte in den Schlachthof gegen Bezahlung. Bei gewerbsmässigen Transporten gelten im Vergleich zu Privattransporten strengere Richtlinien bezüglich Fahrzeugen, Aufzeichnung und Ausbildung.

© Kenneth Schipper

©Edition-lmz, Zollikofen

An gewerbsmässig verwendeten Fahrzeugen muss die für die Tiere verfügbare Ladefläche in Quadratmetern, sowie der Hinweis auf lebende Tiere deutlich angegeben werden. Ausserdem müssen die Fahrzeuge dicht sein, dies kann beispielsweise durch einen Auffangbehälter unterstützt werden. Bei gewerblichen Transporten muss nebst dem Begleitdokument stets der aktuelle Anhang 4 der Tierschutzverordnung und die Bestätigung der erfolgreich absolvierten fachspezifischen berufsunabhängigen Ausbildung (FBA) mitgeführt werden. Diese Ausbildung ist für Personen, welche gewerbsmässige Tiertransporte durchführen, gemäss Tierschutzverordnung obligatorisch.

Die FBA besteht aus einem theoretischen (mind. 12 Stunden) und einem praktischen Teil (mind. 5 Tage) und wird mit einer Prüfung abgeschlossen. Nach dem Abschluss muss alle 3 Jahre ein mindestens eintägiger Weiterbildungskurs besucht werden. Die nutztierspezifische Aus- und Weiterbildung wird vom Schweizerischen Viehhändlerverband durchgeführt. Anmeldungen zur FBA sind via nachfolgenden Link möglich: www.viehhandel-schweiz.ch > Kurse > Anmeldung. Diese Ausbildung wird auch für privat transportierende Personen empfohlen. Bei einigen Tiervermarktungslabels ist der Besuch des Kurses unter gewissen Umständen sogar für den privaten Transport obligatorisch. Es ist daher wichtig, dass Sie die Richtlinien Ihres Labels kennen.

Anforderungen an Transportfahrzeuge

Fahrzeuge und Anhänger, welche für den Transport von Klauentieren eingesetzt werden, müssen am Heck ein Abschlussgitter aufweisen. Dieses hält die Tiere nach dem Öffnen der Ladeklappe zurück. So kann beispielsweise der Seitenschutz ohne Hektik vorbereitet oder der Laderaum bei einem Fahrunterbruch ausreichend belüftet werden. Ein Abschlussgitter muss starkem Druck standhalten und so konstruiert sein, dass die Tiere es nicht selber öffnen oder zwischen den Einzelteilen entweichen können. Zudem ist auf eine minimale Verletzungsgefahr zu achten.

Nebst den Abschlussgittern spielt auch die Gestaltung der Verladerampen eine wichtige Rolle für einen sicheren Tiertransport. Gemäss Tierschutzverordnung müssen Rampen mit einem Gefälle von über 10 Grad mit Querleisten ausgestattet sein, idealerweise im Abstand von 15-35 cm. Eine Neigung von 30 Grad darf nicht überschritten werden. Ein möglichst flacher Ein- und Ausstieg ist für die Tiere am angenehmsten.

Die Ergänzung der Rampe mit seitlichen Abschrankungen ist vorgeschrieben, wenn die Tiere freilaufend in das Transportmittel getrieben werden (siehe Grafik) oder dieses über 50 cm ab Boden liegt. Obwohl seitliche Abschrankungen nicht obligatorisch sind, wenn die Tiere in das Fahrzeug geführt werden und die Höhe weniger als 50 cm beträgt, werden sie dennoch empfohlen. Transportmittel, welche weniger als 25 cm hoch oder auf dieses Niveau absenkbar sind, brauchen keine Verladerampe. Dies trifft auf viele neue, grössere Viehanhänger zu.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Höhe der Seitenwände des Transportfahrzeugs. Hierbei kommt es gelegentlich zu Beanstandungen oder sogar zu Strafanzeigen. Die Wände von Transportmitteln für Grossvieh müssen eine Höhe von mindestens 1,5 m aufweisen und dürfen nicht perforiert sein. Für Kleinvieh gilt eine Mindesthöhe der Seitenwände von 60 cm. Durch Überdachungen, Anbindevorrichtungen oder Netze kann gewährleistet werden, dass die Tiere den Kopf nicht über die Wand heben können.

Falls Sie sich vertieft mit dem Thema Tiertransport befassen möchten, eignet sich die Vollzugshilfe «Tiertransport Vorschriften – Für Equiden, Klauentiere und Geflügel», welche von der Vereinigung der Schweizer Kantonstierärztinnen und Kantonstierärzte (VSKT) unter Mitwirkung des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) und des Bundesamts für Strassen (ASTRA) erstellt wurde. Das Dokument kann unter folgendem Link eingesehen werden: www.blv.admin.ch > Tiere > Transport und Handel > Tiertransporte > Anforderungen. Zusätzlich gilt es die Richtlinien Ihres Tiervermarktunslabels einzuhalten. So steht Ihrem nächsten, regelkonformen Tiertransport nichts mehr im Wege.

Zögern Sie nicht, sich bei allfälligen Fragen an das Landwirtschaftliche Beratungszentrum Grangeneuve zu wenden.

 

Eva Fürst und Olivier Pittet