Gras mähen und die Bienen schützen

22. Juni 2020

Erinnern Sie sich auch noch an die guten alten Zeiten, als bei der Autofahrt vom Sonntagnachmittag die Windschutzscheibe voller Moskitos und anderer Fluginsekten aller Art war? In der Tat ist die Zahl der Insekten drastisch zurückgegangen. Die Ursachen für diesen Rückgang sind sicherlich sehr vielfältig. Gab es in den 80er Jahren so viele Mulchwerke und rotierende Böschungsmäher wie heute? Wo sind die Strassenarbeiter von früher, die mit dem Motormäher Heu mähten? Das Gras am Strassenrand wurde entweder mit dem Ladewagen abgeholt oder vor Ort getrocknet.

Die Zeiten haben sich geändert. Auch für den Imker. Zusätzlich zu anderen Faktoren des Biodiversitätsverlustes leiden die Bienen unter den Auswirkungen dieser tödlichen Waffen, wie Kreiselmäher, Tellermäher, Häcksler, Mulcher und andere Aufbereiter. Der professionelle Landwirt ist sich dessen bewusst und setzt seine Maschinen weise ein. 

Ist es notwendig, den Aufbereiter für alle seine Kulturen zu verwenden? Ist es zum Beispiel sinnvoll, das Öko-Heu oder den August-Nachwuchs mit dem Aufbereiter zu mähen?

Als Agronom und Bienenberater lautet meine Antwort «Nein». Der Aufbereiter muss die Qualität des Futters und/oder die Trocknungsgeschwindigkeit verbessern. Für Öko-Heu oder den Emdschnitt im August ist es sinnvoller, gleich nach dem Mähen mit dem Heuwender durchzufahren, als das ganze Futter mit einem Aufbereiter zu bearbeiten. Dadurch sparen Sie Zeit, Kraft und Treibstoff. Darüber hinaus ist eine Maschine ohne Aufbereiter viel leichter und ermöglicht den Einsatz eines kleineren, daher weniger schweren Traktors. Jeder gewinnt.

© Dmitry Grigoriev

Also was tun?

So wie es bereits getan wird, am Abend ausserhalb der Flugzeit der Bienen mähen. Eine Studie von Apiservice zeigt, dass auf einer Kunstwiese mit Weissklee durch den Einsatz eines Kreiselmähers mit einem rotierendem Aufbereiter zwischen 9'000 und 25'000 Bienen pro Hektar getötet werden können. Andere Quellen nennen noch höhere Zahlen, bis zu 90’000 Bienen, d. h. von 5 bis 10
Kolonien Arbeiterinnen, die in wenigen Minuten ausgerottet würden.

Zwei Empfehlungen sind unbedingt zu beachten. Um ein Bienenmassaker zu vermeiden, sollten Sie: Niemals eine Wiese mit blühendem Löwenzahn (Taraxacum officinale) mähen, und niemals eine blumige Wiese oder eine Kunstwiese mit Weissklee, tagsüber mähen.

Ihre Bestäuberinnen werden Ihnen dankbar sein.

 

Olivier Pittet