Schweinefachtagung Grangeneuve 2021

12. Juli 2021
Proteineffizienz und «intermittent suckling» waren bei den Webinaren der Schweinefachtagung Grangeneuve 2021 ein Erfolg.

Eine Schweinefachtagung per Webinar: Noch vor wenigen Monaten wäre uns diese Idee nicht einmal in den Sinn gekommen. Doch nun hatten wir Erfolg damit! Mehr als 100 Personen traten am 12. und 13. Januar 2021 der Besprechung bei, um u.a. die Präsentationen zur Proteineffizienz von Rationen auf Französisch und Deutsch zu verfolgen. Ein weiterer Teil war einer neuen Technik gewidmet, die aus den Niederlanden zu uns kommt: Teilzeitsäugen!

Die Forschung machte bei der Ermittlung der Bedürfnisse der Tiere grosse Fortschritte. Wie wir wissen, bestehen Proteine aus Aminosäuren (AS), die in langen oder sogar sehr langen Ketten miteinander verbunden sind.

© Martina Rüegger, die Grüne


Manchmal braucht es mehrere Tausend für ein einziges Protein. Alle Futtermittel enthalten Proteine: Getreide, Gras, Schotte und insbesondere Schrot und Kuchen von Öl-saaten. Die darin enthaltenen stickstoffhaltigen Nährstoffe werden auch Rohprotein (RP) genannt. Der RP-Gehalt von Futtermitteln variiert stark. Ausserdem sind die Gehalte und die Anteile der verschiedenen Aminosäuren sehr spezifisch: Viel Lysin, wenig Methionin, Spuren von Tryptophan, usw. Diese verschiedenen Futtermittel sind folglich mehr oder weniger effizient bei der Zusammenstellung oder Ergänzung der Rationen der Tiere.

Im Rahmen der Schweinefachtagung Grangeneuve 2021 präsentierten die Forscher von Agroscope und Nathalie Quiniou vom Institut du porc in Rennes ihre neusten Erkenntnisse und Versuchsresultate. Der Aminosäurebedarf von Schweinen ist inzwischen sehr genau bekannt. Um die Fütterung zu optimieren, kann die Dosierung von Aminosäuren daher sehr exakt erfolgen. Je präziser die Fütterung, desto effizienter ist das Protein, desto grösser sind die Kosteneinsparungen und desto weniger Verluste und Ausscheidungen gibt es. Es kann also davon geträumt werden, dass ein Getreide mit einem perfekten Aminosäurenmuster durchaus geeignet wäre, den gesamten Proteinbedarf von Schweinen zu decken! Dies ist sicherlich Zukunftsmusik, aber... es wird daran gearbeitet!

Ein weiterer interessanter Beitrag war die Präsentation der Familie Ruckli. Auf ihrem Betrieb im Kanton Luzern hält Familie Ruckli rund 100 Sauen, welche in Gruppen gehalten werden. Bis hier also nichts Neues. Des Weiteren ferkeln die Sauen gleichzeitig ab. Auch das ist noch nicht überraschend.

Nach rund 3 Wochen in der Abferkelbucht, werden die Sauen und ihre Würfe jedoch auf mehrere grosse Familienbuchten im Gruppensäugestall aufgeteilt. Interessant ist, dass die Ferkel dabei kaum ausgetauscht werden und dass diese grosse Gruppe gut geordnet ist. Warum sollte man ein Gruppensäugesystem anwenden wollen?

Der Grund ist einfach. Im konventionellen System wird 4 oder 5 Wochen gewartet, bis die Sau trockengestellt ist, wieder brünstig wird und besamt werden kann. Bei Familie Ruckli treffen die säugenden Sauen ab der 4. Woche tagsüber auf den Eber. Die Ferkel bleiben im Gruppensäugestall. Der enge Kontakt mit dem Eber verursacht eine frühe (oder natürliche) Brunst bei der Sau. Innerhalb weniger Tage können die Sauen daher künstlich besamt oder durch den Eber gedeckt werden. Nachts können sie ihre Ferkel weiter säugen. Diese Besonder-heit ermöglicht es, die Säugezeit für die jungen Ferkel zu verlängern, ohne die Fruchtbarkeitskennzahlen zu verschlechtern bzw. diese möglicherweise sogar zu verbessern. Die Technik des «intermittent suckling» wird derzeit in den Niederlanden weiterentwickelt.

Wetten, dass dies auf Interesse stösst und auch in der Schweiz nachgeahmt werden könnte? Nicht nur für die Bio-Produktion, sondern auch für konventionelle Zuchtbetriebe. Fortsetzung folgt.

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