Jungvieh-Management nach Franck Gaudin und Matthieu Rolland
Im Rahmen der Herdmanager-Ausbildung präsentierten die internationalen Fütterungsexperten Franck Gaudin und Matthieu Rolland die wichtigsten Grundlagen für die Aufzucht von Kälbern und Rindern. Ein Rückblick auf einen informationsreichen Tag.
Ein guter Start ins Leben
Das Hauptziel in den ersten Lebensstunden des Kalbes ist die Übertragung der passiven Immunität. Dafür sind einige Grundprinzipien entscheidend:
- Schnelligkeit: Verabreichung innerhalb der ersten 4 Lebensstunden
- Qualität: > 22 % BRIX, das entspricht > 56 g IgG (Immunoglobulin
G = Antikörper) pro Liter - Menge: Zwischen 2 und 3,5 Litern – abhängig von der Qualität
- Sauberkeit: Alles, was mit Kolostrum und Kalb in Kontakt kommt, muss sauber sein (auch die Hände!)
Wir empfehlen, Kolostrum mit > 22 % BRIX in Gefrierbeuteln einzufrieren, um das Auftauen zu beschleunigen. Wichtig dabei ist die Beschriftung mit Datum, Kuhname/-nummer sowie der Qualität. Zum Auftauen sollte ein Wasserbad mit nicht zu heissem Wasser verwendet werden, da dies die Antikörper zerstört und sie unwirksam macht.
Die Übergangsmilch, auch Erstgemelk-Milch genannt (2–4 Tage nach dem Abkalben), verbessert die Darmentwicklung des Kalbes sowie seine Absorptionsfähigkeit. So ergibt sich ein um ca. 3 kg höheres Lebendgewicht beim Absetzen.
Der Milchtrinker
In den ersten Lebensmonaten sollte das Kalb eine tägliche Zunahme von 1000 g erreichen. Es wird empfohlen bei einem Alter von 8 Tagen täglich 8 Liter Milch zu verabreichen. Zusätzlich zur Milch sind ein stärkehaltiges Startfutter sowie Wasser notwendig, um das Kalb auf das zukünftige Wiederkäuen vorzubereiten. Frei verfügbares Wasser ermöglicht die Entwicklung der Pansenmikroorganismen – die Grundlage für die Fermentation. Stärkehaltige Futtermittel fördern insbesondere die Entwicklung der Pansenpapillen. Stärkehaltige Futtermittel fördern insbesondere die Entwicklung der Pansenpapillen.
Quelle : Grangeneuve
Quelle: Grangeneuve / Tränkplan: VisionLait
Vom kleinen Käser zum Wiederkäuer
Für ein erfolgreiches Absetzen sollte die Milchmenge schrittweise über mindestens 3 Wochen reduziert werden – jeweils um 2 kg pro Etappe. Das Ziel ist die Steigerung der Startfutteraufnahme und die Vorbereitung des Pansens auf feste Nahrung. Andernfalls wird die Futterverwertung nach dem Absetzen beeinträchtigt, da die Aufnahmefähigkeit der Nährstoffe vermindert ist. Die Fütterung von Fasern ist nötig, um ein gutes Pansenvolumen zu garantieren, jedoch in schrittweise steigende Menge. Denn junge Kälber können zu Beginn die Fasern noch schlecht verdauen. Gelangen zu viele verdauliche Fasern in den Pansen, besteht die Gefahr einer Darmazidose, die zu Durchfall und Wachstumsverlusten führt.
Zur Kontrolle der Pansenreife kann der BHB-Wert (Beta-OH) im Blut gemessen werden:
- 0,3 mmol/l: Pansenflora ist ausreichend entwickelt
- 0,3 mmol/l: Pansen noch nicht bereit für feste Nahrung → Absetzen verschieben
Die Messung erfolgt idealerweise in der letzten Woche vor dem Absetzen und kann die Entscheidung über den Zeitpunkt des Absetzens unterstützen.
Vom Absetzen bis zum Abkalben
Die Energiezufuhr zwischen dem 3. und 10. Lebensmonat (TZW max. 900 g/Tag) und im letzten Trächtigkeitsdrittel (TZW max. 1000 g/Tag) darf nicht zu hoch sein, um eine optimale Euterentwicklung sicherzustellen.
In diesen Phasen wächst das Euter stärker als die anderen Organe und eine zu hohe Energiedichte begünstigt die Entwicklung von Fettgewebe auf Kosten der milchbildenden Zellen.
Frühes Wachstum mit optimaler Fütterung vor dem Absetzen ist einem kompensatorischen Wachstum in diesen kritischen Phasen vorzuziehen. Zwischen dem 9. und 15. Lebensmonat ist kompensatorisches Wachstum hingegen möglich.
Ab einem Alter von 6 Monaten wird eine mineralische Ergänzung (Zink, Jod, Kupfer, Mangan) empfohlen, um die Klauen zu stärken und Infektionen sowie Mortellaro nach dem Abkalben vorzubeugen.
Für die Besamungsplanung ist das Gewicht wichtiger als das Alter. Ein ausreichendes Gewicht bei der Besamung sorgt dafür, dass die Färse später mehr Energie in die Milchproduktion und weniger ins Wachstum investiert. Eine Färse, die beim richtigen Gewicht besamt wurde, nutzt das Futter besser und produziert mehr Milch, obwohl sie die gleiche Menge frisst wie eine erstlaktierende Kuh, die noch Energie für ihr Wachstum benötigt.
Ideale Zielwerte:
- Beim Abkalben: 85 % des ausgewachsenen Körpergewichts (= Durchschnitt der Kühe in 3.–5. Laktation)
- Zum Höhepunkt der Laktation: 78 % der Höchstmenge der mehrlaktierenden Kühe
Zur Pansenentwicklung und Vorbereitung auf das Abkalben sollten die Färsen 60 Tage vor dem Abkalben (mindestens 30 Tage) in die Trockenstehgruppe integriert werden. Wie bei den Galtkühen sollte die Energiedichte begrenzt sein, um Verfettung zu vermeiden. Die Körperkondition (BCS) hilft bei der Kontrolle der Energieversorgung. Die Beobachtung des Halsfettes ermöglicht zusätzlich die Beurteilung des inneren Fettanteils.
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